Wie fühlt es sich an, noch einmal Mutter zu werden – diesmal von einem Nachzügler?
Noch einmal Mutter zu werden, so viele Jahre nach der Geburt meiner beiden älteren Kinder, ist etwas ganz Besonderes und schwer in Worte zu fassen.
Es fühlt sich an, als dürfe ich etwas Wildes, Rohes, Herausforderndes und Wunderschönes noch einmal erleben – aber mit neuen, sanfteren Augen und einem ruhigeren, vertrauensvolleren Herzen.
Es fühlt sich nicht wie stürmisches Wetter und intensive hormonelle Wellen an, sondern eher wie fest mit beiden Füßen auf dem Boden zu stehen. Nicht, weil es immer leicht ist, sondern weil die Erfahrung mich gelehrt hat, dass schwierige Phasen vorübergehen. Es gibt weniger Sorgen und weniger Fokus darauf, alles „richtig“ zu machen, und mehr Raum für Präsenz und Genuss. Ich erlebe die Zeit heute auch anders – tiefer – und ich weiß, wie schnell sie vergeht.
Was hat dich an dieser dritten Reise in die Mutterschaft am meisten überrascht, und wie hat sich die Dynamik zwischen den Kindern verändert?
Eines der Dinge, die mich am meisten überrascht haben, ist, wie verbindend es für unsere Familie war und welch großes Geschenk es für unsere älteren Kinder ist.
Unsere beiden älteren Kinder schauen Sommer mit einer Liebe an, die frei von Geschwisterrivalität und Konkurrenz um Aufmerksamkeit ist. Ihre Geduld, Fürsorge und die Art, wie sie Liebe spiegeln, berühren mich tief.
Wenn ich alle drei zusammen sehe, spüre ich eine neue Art von Verbindung zwischen ihnen – einen Faden, den ich mir nie hätte vorstellen können.
Rituale müssen nicht lange dauern. Schon wenige Minuten der Stille oder ruhigen Atmung können einen großen Unterschied machen.
Kleine Momente
Was war die größte Herausforderung daran, ein Kind zu bekommen, wenn der Alltag bereits etabliert ist?
Die Schuldgefühle, die sich gelegentlich eingeschlichen haben. Sommer wurde in ein Leben mit Schule, Freizeitaktivitäten und festen Routinen hineingeboren, und in größerem Maße musste sie sich in das bereits bestehende Leben „einfügen“. Das war für mich anfangs schwer zu akzeptieren. Doch ich habe gelernt, dass sie – auch wenn der Alltag dieses Mal strukturierter ist – die Liebe und Nähe um sich herum spürt, sowohl von uns als Eltern als auch von ihren Geschwistern.
Du arbeitest mit dem Körper, dem Nervensystem und mit Ruhe – wie nutzt du dieses Wissen im Familienalltag?
Ich weiß, dass wir Menschen uns gegenseitig ko-regulieren und dass allein unsere Präsenz die Nervensysteme der anderen beeinflusst. Deshalb ist es mir wichtig, dass wir das priorisieren, was Ruhe und Sicherheit schafft – gemeinsam und individuell.
Wir haben bewusste Entscheidungen getroffen, um mehr Präsenz in unser Familienleben zu bringen. Die Flexibilität in meinem Berufsleben hat es möglich gemacht, Alltagsroutinen an die Bedürfnisse unserer Familie anzupassen und Raum für die kleinen Momente zu schaffen, in denen wir bei uns selbst und miteinander ankommen können.
Gibt es Rituale oder kleine Momente, die dir helfen, im Alltag präsent zu sein?
Ja. Kleine, einfache Rituale. Mein Morgenkaffee – die erste Tasse genieße ich in Ruhe. Ein Moment auf der Yogamatte, während Sommer schläft. Und fast tägliche Spaziergänge in der Natur – selbst an Tagen, an denen ich müde bin, es sich überwältigend anfühlt oder das Wetter grau ist. Rituale müssen nicht lange dauern. Schon ein paar Minuten Stille oder ruhiges Atmen können einen großen Unterschied machen.
Alltagsglück
Wie würdest du die Atmosphäre in eurem Zuhause beschreiben?
Sie ist warm, ruhig und unprätentiös. Es gibt Raum für Lachen, Unordnung und Entspannung.
Wir essen gemeinsam zu Abend (auch wenn es nur Roggenbrot ist), unterstützen die Kinder bei ihren Freizeitaktivitäten, trinken heiße Schokolade mit Sahne und essen Popcorn auf dem Sofa – an einem ganz gewöhnlichen Wochentag, umarmen uns zur Gute-Nacht-Zeit und genießen Sonntage ohne Pläne. Für mich ist ein sicheres Zuhause ein Ort, an dem wir füreinander sorgen, an dem man man selbst sein kann und weiß, dass man genau so geliebt und angenommen wird, wie man ist.
Wie denkst du über Schlaf in eurer Familie?
Unsere Kinder haben feste Einschlafrituale, und wenn Sommer nachts aufwacht, versuche ich, ihr mit Ruhe und Sicherheit zu begegnen. Mein Wissen über das Nervensystem macht mich sehr achtsam darin, nächtliche Unterbrechungen nicht zu dramatisieren, sondern mich selbst zu regulieren, damit ich der ruhige Anker für sie sein kann.
Manchmal bedeutet das, früher ins Bett zu gehen oder das Tempo zu drosseln. Für uns geht es beim Schlaf nicht nur um Stunden, sondern um Regulation, Sicherheit und Balance.
Was bedeutet Alltagsglück für dich im Moment?
Alltagsglück ist die Summe der kleinen Momente, in denen Liebe und Präsenz spürbar sind – selbst mitten im Chaos, in Hektik und an müden Tagen. Eine lange Umarmung der Kinder vor dem Schlafengehen. Ein Lächeln von Sommer gleich am Morgen. Eine Tasse Kaffee, die mir mein Mann im Bett serviert. Momente, die nicht geplant sind, sondern aus Sicherheit, Liebe und gegenseitiger Akzeptanz entstehen.
Für mich ist ein sicheres Zuhause ein Ort, an dem wir füreinander sorgen, an dem man man selbst sein kann und weiß, dass man geliebt und so akzeptiert wird, wie man ist.